17. September. 06:20 Uhr. Nach nur 4,5 Stunden Schlaf lässt der Wecker meine schönen Träume zerplatzen. Wir müssen früh aufstehen, weil wir dummerweise gestern vergessen haben, an der Rezeption unser Shuttle für heute zu buchen. Wir wollen nach Lanquín, das gute acht Stunden von hier entfernt liegt. Das Shuttle würde um acht Uhr abfahren und wir hoffen, noch Plätze zu bekommen. Leider werden wir enttäuscht, die Rezeptionistin und auch das nahegelegene Busunternehmen können uns nicht helfen. Es wären nur noch windige Klappsitze ohne Rückenlehne verfügbar, auf die wir aber angesichts der langen Fahrtzeit verzichten.
So haben wir also plötzlich noch einen weiteren Tag in Panajachel. Also machen wir das Beste daraus und frühstücken gemeinsam. Im Hostel waschen wir ein paar Sachen und entspannen dann am Pool. Heute kochen wir unser Mittagessen selbst: es gibt spektakuläre Nudeln mit Tomatensoße, die aber sehr lecker sind. Bryan bringt von seinem Spaziergang Kuchen mit als Nachtisch. Nach dem Essen gehen Alina und ich zur Beachbar des Selina Hostels, das ca 3 Minuten entfernt am See gelegen ist. Dort trinken wir eine Cola, genießen dem Wunderschönen Ausblick und schreiben in unsere Reisetagebücher, die wir mitgenommen haben. Die Atmosphäre ist sehr gemütlich und inspiriert mich, viel zu schreiben.
Der Pool des Selina Hostels in Panajachel
Abends treffen wir uns wieder mit Bryan zum Pizzaessen und danach schauen wir im Movie Room noch einen Film. Dann wird nur noch alles zusammen gepackt und geschlafen, schließlich haben wir morgen eine laaange Fahrt vor uns.
Am Morgen des 18. Septembers reißt mich der Wecker wenigstens zurecht aus dem Schlaf, denn heute fahren wir endlich nach Lanquín! Davor frühstücken wir noch schnell im Selina Hostel (ich habe sehr leckere Schoko-Pancakes). Im Bus ist alles sehr gequetscht, der Typ neben mir macht sich ziemlich breit. Es werden ELF Stunden Fahrt angekündigt. Wir machen zwei Pausen, ich verbringe die Zeit mit schlafen, Filme schauen und lesen, wobei nichts davon wirklich möglich ist, weil die Straßen so holprig und kurvig sind. Mit anständigen Straßen hätte man die Distanz auch locker in der Hälfte der Zeit zurücklegen können. Im Endeffekt sind es dann sogar zwölf Stunden Fahrt, bis wir endlich in Lanquín ankommen.
Für das letzte Stück zu unserem Hostel, der Zephyr Lodge, werden wir und unsere Backpacks auf der Ladefläche eines Transporters abgestellt bzw herumgeschmissen. (Die Straßen sind immer noch eher Feldwege). Aber als wir endlich ankommen, werden wir mit einem Bier aufs Haus begrüßt, was die Stimmung gleich wieder hebt. Wir treffen auf drei sehr nette Iren, mit denen wir uns gut unterhalten. Lange hält aber keiner von uns durch und gegen zehn liegen wir alle in den Schlafsaal Betten und versuchen einzuschlafen, wenn auch unter, sagen wir, erschwerten Bedingungen.
Heute wird ein sehr fauler Tag, das merken wir schon, als wir am 15. September relativ spät aufwachen. Viel Schlaf haben wir nicht bekommen und Alina hat das Gefühl, dass sie sich ein wenig den Magen verdorben hat, sodass wir gemütlich frühstücken und dann mit Bryan im Movie Room des Hostels einen Film schauen. Währenddessen regnet es, sodass wir wirklich nichts verpassen.
Nachmittags, als es aufhört zu regnen, raffen wir uns tatsächlich auf und laufen ein wenig in der Stadt herum, immer auf der Suche nach Souvenirs. Gegen Abend treffen wir uns wieder mit Bryan zum Pupusas Essen. Ich finde sie sehr lecker, nur Bryan ist nicht sonderlich begeistert. Aber was Pupusas angeht, ist er wirklich der Experte. Viel passiert an dem Tag nicht mehr, es war eher eine Art Verschnaufspause nach all den anstrengenden Tagen der letzten Wochen.
Dafür haben wir am 16. September umso mehr vor. Wir stehen früh auf und treffen uns am Bootsanleger, denn unser Plan ist heute, die Dörfchen um den Lago Atitlán zu entdecken. Und wieder einmal sind wir froh, Bryan als Freund zu haben, denn er kennt schon einige Ecken hier. Er zeigt uns das Hotel Casa del mundo („Haus der Welt“), das, eingeschmiegt in die Berge, direkt am See liegt. Um das Hotel herum ist nicht viel, man erreicht es am besten über den Seeweg. Überall ist es grün, wunderschöne Terrassen mit Hängematten nehmen uns in Empfang. Verwachsene Wege und Stufen führen uns hinauf zum Café des Hostels, wo wir leckere Frühstücksburritos essen und dabei den Ausblick, der sich uns bietet, genießen. Danach steigen wir wieder ein paar Stufen hinunter zum See, schaukeln in Hängematten, schießen tausend Bilder und lassen die Seele baumeln. Es ist ein sehr heißer Tag und Alina und ich bereuen es, keine Bikinis eingepackt zu haben.
Sehr entspannt schippern wir dann ein paar Stunden später mit dem Boot zum ersten Dörfchen, San Pedro. (Übrigens sind alle Dörfer um den See herum nach Aposteln benannt). Man kommt von einem zum nächsten Ort am schnellsten per Boot, es kommen alle paar Minuten Boote, die einen für wenig Geld mitnehmen. In San Pedro ist nicht viel los, wir schlendern an der Straße entlang, die parallel zum Ufer verläuft und schauen in ein paar Läden.
Schließlich treibt uns der Hunger in ein Restaurant – ein wunderschönes! Es liegt direkt am Wasser und ist an der Seeseite offen, sodass man entlang der Wasserfront sitzen und essen kann. Ich nehme Nudeln mit scharfer Tomatensoße, die sehr lecker sind.
In dem Restaurant
Nach dem Essen schippern wir ins Örtchen Santiago, in dem aber nicht viel los ist. Wir besuchen eine Art bizarre Kirche, ein Raum in einem Privathaus, der vollgestopft ist mit Heiligenfiguren, Blumen und Räucherstäbchen. Danach gehen wir noch auf einen Aussichtspunkt, schießen Bilder und schlendern danach durchs Örtchen. Ich schieße ein tolles Bild von den Einheimischen Senioren, die sich auf der Bank vor ihrem Haus unterhalten, so wie man es hier oft gibt.
Zurück im Hostel erwartet uns eine tolle Überraschung: Maddie und die anderen mit ihrer neuen Gruppe sind heute auch nach Panajachel gekommen und wir können uns abends treffen! Es ist wirklich schön, Maddie noch einmal zu sehen. Wir laufen zusammen herum, unterhalten uns viel und stoßen zu unserer alten Bzw eigentlich der neuen Gruppe. Im Selina Hostel wird eine kostenlose Salsa Stunde angeboten, die Maddie und ich wahrnehmen. Das hat richtig Spaß gemacht, ich vermisse das Tanzen sehr! Danach landen wir alle noch in der Bar Panarock, bevor wir uns gegen Mitternacht diesmal endgültig von der Gruppe und Maddie verabschieden müssen. Aber ich bin sicher, dass wir uns nicht das letzte Mal getroffen haben ich werde sie einfach in Australien besuchen!
Alles in Allem war das ein sehr aufregender und schöner Tag und ich freue mich schon auf den nächsten!
Den Morgen des 13. September gehen wir alle erstmal gelassen an. Wir gehen spät frühstücken in dem Café Y tu piña también, danach geben Alina und ich unsere Wäsche zur Wäscherei. Heute ist ein Ab- Bzw Anreisetag. Die Tour ist nämlich noch nicht ganz zu Ende, je nach dem, was man gebucht hat. Das wussten viele unserer Gruppe nicht, aber die Tour ist in zwei Hälften aufgeteilt. Die erste Hälfte geht von San José, Costa Rica nach Antigua Guatemala und die zweite Hälfte von dort bis nach Playa del Carmen, Mexico. Es gibt also einige, die nur die erste Hälfte dabei sind, wie Alina und ich, andere, die nur die zweite Hälfte machen, die heute zur Gruppe dazu stoßen. Doch viele bleiben dabei und machen die ganze Tour. Bryan wird übrigens auch nicht weiterhin deren Tourguide sein, es wird ein neuer kommen. Die neue Gruppe wird aber erst morgen weiterreisen, das heißt, wir können den Tag heute noch mit ihnen verbringen. Außerdem sieht man heute in Antigua ganz viele Gruppen und Vereine, die sich auf den bevorstehenden Unabhängigkeitstag vorbereiten. Da werden Läufe, Umzüge, Paraden und Musikstücke geprobt, ich fühle mich wie in einem Wimmelbuch für Kinder.
Gegen Mittag wollen sich ein paar Leute aus der Gruppe tätowieren lassen und wir schauen ein wenig zu. Die Ergebnisse sehen wirklich gut aus! Danach wollen Alina und ich zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt laufen. Leider ist es schon ca. 16 Uhr und Bryan rät uns davon ab, das nachmittags zu machen, zumal es bald dunkel werden wird. Also verschieben wir das ganze und gehen stattdessen mit Bryan und Maddie Nachos Bzw Pizza essen. Und ich bin wirklich froh, nicht zum Aussichtspunkt gelaufen zu sein, da es ein paar Minuten später anfängt zu schütten und auch nicht mehr aufhört.
So sind wir ziemlich voll gegessen und bleiben abends im Hostel, während der Rest der Gruppe auf den Neuzugang und den neuen Guide trifft und sie gemeinsam essen gehen. Derzeit sitzen Bryan, Maddie, Alina und ich beisammen und reden über Gott und die Welt, eben die Art von Gesprächen, die man nur abends und nur mit guten Freunden führen kann. Ich werde die beiden wirklich vermissen! (Maddie macht übrigens die ganze Tour, das heißt sie wird morgen mit den anderen abreisen, während Alina und Bryan und ich eine andere Route einschlagen werden.)
Am Morgen des 14. Septembers stehen Bryan, Maddie, Alina die und ich früh auf, um zu dem Aussichtspunkt Santa Cruz zu laufen, da wir das ja gestern nicht geschafft haben. Der Aufstieg ist nicht sehr anstrengend und oben angekommen hat man einen atemberaubenden Ausblick auf Antigua und die umliegenden Vulkane.
So schön dieser letzte Ausflug auch war, zurück im Hostel müssen wir uns von Maddie verabschieden, was mir ziemlich schwerfällt. Sie ist so eine inspirierende und starke Person, ich werde sie so schnell sicher nicht vergessen!
Denn gegen Mittag fahren Alina und ich weiter nach Panajachel. Bryan begleitet uns, da er jetzt ja kein Tourguide mehr ist und ein paar Tage Urlaub hat. Wer es noch nicht mitbekommen hat: nachdem unsere geführte Tour mit G Adventures gestern geendet hat, haben Alina und ich noch ca 10 Tage Zeit, Guatemala allein zu entdecken.
Panajachel ist ein Ort am Lago Atitlán, der zweitgrößte See des Landes und liegt in der Bergregion im Südosten. Viele Reiseführer bezeichnen ihn als einer der schönsten Seen der Welt. Um den See herum liegen ein paar Vulkane und viele kleine Dörfer, die wir entdecken wollen.
Als wir nachmittags ankommen, laufen wir ein wenig herum, um die Umgebung kennenzulernen. Dann setzen wir uns zusammen auf einen Steg direkt am Wasser und genießen die Aussicht und die Atmosphäre. Panajachel ist nicht unbedingt ein schöner Ort, aber der See dafür umso mehr.
Abends essen Alina und ich Tortillas und gehen dann mit Bryan auf eine Beachparty direkt am See. Die Location ist wunderschön und auch wenn nicht viele Leute da sind, herrscht eine Bombenstimmung. Wir tanzen und unterhalten uns gut und schauen uns um Mitternacht das wunderschöne Feuerwerk über dem See an, denn der 15. September ist der guatemaltekische Unabhängigkeitstag.
Alles in allem war das ein wunderschöner Tag und ich freue mich schon sehr auf die nächsten Tage hier am See. Übrigens ist unser Hostel wieder einmal ein Selina Hostel, dort kosten die Betten in den Schlafsälen nicht viel und Alina und ich haben noch keine Zimmergenossen, sodass wir das Zimmer und das dazugehörige Bad noch ganz für uns haben!
Am Morgen des 12. Septembers holen wir alle unser in einem Café vorbestellten Frühstück ab und setzten und dann in unseren Bus, um nach Antigua in Guatemala zu fahren. Die Fahrt ist zwar immer noch lang, aber schneller als gedacht. Normalerweise sind viele Baustellen und Stau um Antigua herum, doch wir kommen ganz gut durch. Auch an der Grenze verläuft alles nach Plan und ich freue mich sehr über einen neuen Stempel in meinem Reisepass. Antigua heißt „alt“ auf Deutsch. Die Stadt wird auch oft Antigua Guatemala genannt, also „altes Guatemala“. Das rührt daher, dass Antigua früher einmal die Hauptstadt von Guatemala war. Heute ist das Guatemala City. So wirklich kreativ sind die Guatemalteken mit den Namen für ihre Hauptstädte also nicht.
Leider ist heute der letzte Tag mit unserer Gruppe, der letzte Tag unserer geführten Reise mit G Adventures.
In Antigua werden wir im Lemontree Hostel übernachten, das wirklich hübsch ist. Es hat einen Innenhof mit vielen Sitzmöglichkeiten, einem alten Flugzeug und einem alten VW Bus, die dort herumstehen. Die Schlafsäle sind dafür recht spärlich eingerichtet, aber das ist okay. Die Einzel- Bzw Doppelzimmer sind hübscher. (Bryan, unser Guide, bekommt immer ein Einzelzimmer, daher weiß ich das.)
Dann geht es auf Entdeckungstour in Antigua! Die Stadt gefällt mir auf anhieb sehr und ist genauso wie ich sie mir vorgestellt habe: mit vielen bunten Häusern, alten Steinstraßen und hübschen Kirchen – eine echte Kolonialstadt eben! Anscheinend ist es Tradition, jedes Jahr zum Jahreswechsel sein Haus neu zu Streichen, um (buchstäblich) einen Tapetenwechsel, einen neuen, frischen Start zu haben. Dabei ist aber eine bestimmte Farbpalette vorgegeben, da Antigua eben eine Kolonialstadt ist. Demnach ist hier alles sehr bunt. Ein wenig erinnert Antigua mich damit an Suchitoto in El Salvador, nur das Antigua viel größer, touristischer und vor allem belebter ist.
Auch kulturell ist hier viel zu entdecken. Alle guatemaltekische Frauen laufen mit traditioneller, bunter Kleidung herum, tragen ihre Waren auf den Kopf oder verkaufen Souvenirs. Außerdem spielt sich viel in dem zentralen Stadtpark ab, sowohl Touristen als auch Einheimische tummeln sich um den Brunnen. An jeder Ecke findet man Touristenshops und Läden, in denen Jade verkauft wird. Jade findet man viel in Mittelamerika und spielt eine große Rolle, heute wie damals. Für die Maya symbolisierte der Stein Leben, Fruchtbarkeit und Macht. Außerdem gibt es in diesen Jade Läden oft ein Buch, in dem man durch dem Maya Kalender herausfinden kann, welches Tier sein Sternzeichen Bzw Seelenverwandter ist und was das über einen aussagt. Im Anschluss kann man dieses Tier in den Läden als Jadestein in Form von Schmuck kaufen. Das ganze geht nach Geburtsdatum und ich gehöre mit dem 06.06.2001 laut Buch zur Spinne. (Spinnen sind so ziemlich die einzigen Tiere, die ich überhaupt nicht leiden kann, also habe ich mich darüber sehr gefreut.) Meine Charakterbeschreibung dazu passt ganz gut, aber der Kalender rät mir, Anwalt oder Wissenschaftler zu werden und das interessiert mich leider überhaupt nicht! Demnach kaufe ich mir keine Spinne aus Jade.
Bryan führt uns auf dem Orientierungslauf, den er in jeder Stadt mit uns macht, ein wenig herum und zeigt uns den riesigen, bunten Markt. Dahinter ist der Stellplatz von den Bussen. Ich weiß nicht, ob ich das schonmal erwähnt habe, aber in Zentralamerika gibt es viele alte, amerikanische Schulbusse, die vom Staat ausrangiert und von Privatpersonen aufgekauft wurden. Diese Privatpersonen pimpen die Busse dann ein wenig auf – zumindest äußerlich- und stellen diese dann als öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung. Nur wird man vor diesen Chickenbussen sehr gewarnt, da sie zwar schick aussehen, aber unsicher, technisch nicht einwandfrei und deswegen häufig in Unfälle verwickelt sind. Hier in Guatemala sehen wir sie haufenweise und besonders in Antigua hinter dem Markt.
Wir stöbern ein wenig in den Souvenirshops und ich finde ein wunderschönes Gemälde mit tollen leuchtenden Farben. Ich habe nämlich angefangen, in jedem Land in das ich Reise, ein Gemälde zu kaufen. Daheim in Deutschland habe ich eine Weltkarte, auf der man freikratzen kann, in welchen Ländern man schon gewesen ist. Mein Plan ist, diese Karte in die Mitte zu hängen und darum herum all meine gesammelten Gemälde aus den Ländern, um so immer wunderschöne Erinnerungen zu haben!
Danach duschen wir und treffen unsere Gruppe im Bigfoot Hostel, das sehr gutes Essen und vor allem eine Cocktail Aktion und ein Beerpong Turnier anbietet! Meine Quesadillas sind sehr lecker und die Stimmung ist wirklich ausgelassen. Für das Beerpong Turnier bilden wir Zweierteams und wir spielen sowohl gegen Einheimische und andere Touristen, als auch gegen Teams aus unserer Gruppe. Alina und ich sind tatsächlich gar nicht so schlecht, doch am Ende gewinnen tatsächlich Chris und Beth aus unserer Gruppe, was niemand erwartet hätte! Der Preis sind ganze $150! Demnach ist die Stimmung ausgelassen und angetrunken und wir feiern den Sieg in dem Club la Sala. Der Abend ist wirklich wunderschön und ich habe das Gefühl, dass es uns wirklich zusammen schweißt. Schade nur, dass sowas immer am letzten Abend passiert!
Alle fallen spät in der Nacht ins Bett und ich bin wirklich glücklich, das war ein wunderschöner Tag!
Der 11. September beginnt im Café Walchez, in dem ich einen Cappuccino und ein Croissant mit Marmelade frühstücke. Danach werden wir von einem Guide (aber nicht Bryan) abgeholt, der uns zu den Maya Ruinen bringt! Der Weg dorthin ist nicht sehr weit, vom Stadtzentrumaus läuft man in etwa 15 Minuten. Der Eintritt kostet $18 der Guide $5. Die Währung in Honduras heißt übrigens Lempira. Ein Euro entspricht nach aktuellem Stand 27,15 Lempira.
Der Guide ist ein sehr sympathischer Mann, der die Sache mit viel Humor angeht. Er kann ein paar Wörter Deutsch und wirft so ab und zu einfach so ein wenig Deutsch in seine Erklärungen ein. Er weiß außerdem unheimlich viel und es ist wirklich interessant, ihm zuzuhören. Bevor wir die ersten richtigen Maya Tempel sehen, kommen wir jedoch an Papageien vorbei, die hier im Park frei leben. Ich bin davon hellauf begeistert und schieße tausend und ein Foto.
Die Tempel und Bauten, die wir danach sehen, sind noch erstaunlich gut intakt. An manchen Steinen ist sogar noch original die Farbe, die die Inka vor Jahrhunderten verwendet haben. Die Tempel waren übrigens, im Gegensatz zu den Pyramiden im alten Ägypten, nur selten Grabmäler, sondern dienten vor allem als Opferstätte. Außerdem würde jedem König, der als Gott angesehen wurde, ein solcher Tempel gewidmet. Dieses heilige Gebäude wurde dabei als lebendig angesehen. Wenn also ein König verstarb, wurde nicht nur er begraben, sondern auch sein Tempel. Es wurde einfach ein größerer über den „toten“ Tempel gebaut, ganz nach dem Prinzip der russischen Matroschka waren viele Bauten also ineinander verschachtelt. Ich hätte solch einen Tempel zu gerne auch mal von innen gesehen, zumal die Maya auch ganze Städte unterirdisch bauten. Leider war aber keiner der Gebäude von innen zugänglich, zumindest nicht für Touristen. Übrigens hoffe ich, dass ich das noch alles richtig wiedergebe, ich habe mir versucht, das meiste zu merken bzw aufzuschreiben.
Zwar ist das Schild ein wenig verwittert, doch man kann erkennen, wie unter dem Tempel, den ihr auf dem Bild darüber seht, noch mehr Tempel gebaut sind. Übrigens ist rot die Farbe des Todes und des Blutes und da die Tempel ja starben, strich man sie rot. Außerdem erkennt man, wie die Gebäude ursprünglich aussahen.Man erkennt noch die selbe Farbe, die die Maya verwendet haben.
Außerdem erklärt uns unser Guide das Zählsystem der Maya. Deren Zahlen und Zählweise basieren nämlich, nicht wie bei uns, auf der Zehn, sondern auf der Zwanzig. Unser Guide hat die Zeichen mit einem Stock auf den Boden gezeichnet. Damit man es auf dem Foto besser erkennen kann, habe ich versucht, die Linien ein wenig nachzuzeichnen.
Erst einmal zu den einzelnen Zeichen. Die Striche, die ihr rechts und links seht, bedeuten jeweils fünf. Die Punkte bzw. Kreise stehen jeweils für eins. Das augenförmige Zeichen steht für die Null.
Um Kombinationen und Jahreszahlen zu erklären, benutze ich der Verständlichkeit halber ein Bild aus dem Internet.
Diese Symbole können beliebig Kombiniert werden. Ganz links auf dem oberen Bild sind zum Beispiel drei Striche mit vier Punkten kombiniert. 3 mal die 5 ergibt 15 und wenn man dazu 4 mal die 1 addiert, ergibt das insgesamt 19. Nicht so schwer. Um jetzt größere Zahlen zu bilden, werden die einzelnen Zahlenkombinationen nebeneinander geschrieben, wie oben abgebildet, und multipliziert. Dabei sind die 19 ganz rechts die Einer, die mit 20^0= 1 multipliziert werden, also ist das Ergebnis 19. Die 9 links nebendran entspricht den Zwanzigern (20^1=20), also wird die 9 mit 20 multipliziert, was 180 ergibt. So wird fortgefahren, bis am Ende alle Zahlen addiert werden. So kommt man in diesem Beispiel auf 7399.
Nächstes Beispiel, diesmal wieder im Sand: wir fangen unten bei den Einern an. 3*5 (die Striche) + 4*1 (die Punkte) = 19. Multipliziert mit 1 ist das immer noch 19. Zweite Etage. Die 0 Wird mit 20 multipliziert, also ist das Ergebnis 0. Oberste Zeile. Ein Strich (also 5) wird mit 400 multipliziert, was 2000 ergibt. Alles zusammen addiert (siehe Spalte ganz rechts) ergibt 2019. Die Symbole in der Mitte ergeben also kombiniert 2019.
Das alles fand ich sehr interessant. Außerdem sehen wir eine Grabkammer, die vor vielen Jahren ausgeraubt wurde, und eine Art Fußballstadion, nur dass damals natürlich kein Fußball gespielt wurde, sondern tatsächlich eine Art Volleyball, nur dass man den Ball nur mit Gelenken berühren durfte, also mit der Hüfte, den Ellenbogen, den Knien, nicht aber mit Händen oder Füßen, wie heute in vielen Sportarten.
Mein Kopf ist vollgestopft mit neuen Informationen und interessanten Fakten als wir den Park verlassen. Wir verabschieden uns von dem Guide, der wirklich sehr informativ und sympathisch war, und nehmen ein TucTuc zurück zum Hostel. Dem Besuch der Maya Ruinen empfehle ich unbedingt jedem, der mal in Mittelamerika ist. Noch beeindruckender sollen ja die Tikal Ruinen in Guatemala sein, mal sehen, ob es mich noch dorthin verschlagen wird.
Nachmittags passiert nicht mehr viel. Ich fühle mich auf einmal ein wenig erkältet und schlapp und Alina hat Kopfschmerzen, sodass wir uns erstmal noch auf dem Hotelzimmer ausruhen. Gegen Abend gehen wir nochmal raus und finden tatsächlich jeweils ein Kleid, das wir uns kaufen. Außerdem kaufen wir ein paar Snacks für die morgige Fahrt und treffen die anderen zum Abendessen in einem kleinen Imbiss bzw Restaurant. Dort gibt es Baleadas, die typisch sind für Honduras. Es sind (wer hätte es gedacht) Tortillas, die mit allerlei gefüllt sind. Im Gegensatz zu den Pupusas in El Salvador werden die Zutaten nicht schon vor dem Backen mit dem Teig vermischt, die Baleadas werden erst nachträglich befüllt und sind außerdem größer. Obwohl das alles sehr ähnlich klingt, schmecken die Gerichte sehr unterschiedlich. Die Baleadas sind sehr sehr lecker, sie schmecken mir zum Beispiel besser als die Pupusas. Zudem sind sie wirklich sehr günstig.
Ich hoffe, der Post war nicht zu lang und zu verwirrend. ¡Hasta luego!
Am 10. September fahren wir nach einem leckeren Frühstück (es gibt Bagels) in unserem Van zum nächsten Ort auf unserer Route: Copán Ruinas in Honduras! Dazu müssen wir ein kleines Stück durch Guatemala fahren, da das von unserem Standort aus wohl schlauer ist. An den Grenzen läuft alles glatt, wir müssen uns an der zu Honduras nicht mal ausweisen, was den ganzen Prozess um einiges beschleunigt. Das heißt aber auch, dass ich leider für Honduras keinen Stempel in meinen Reisepass bekomme. Ich bin trotzdem heilfroh, als wir im Städtchen ankommen; so langsam habe ich lange Fahrten über.
Copán Ruinas ist ein hübsches, kleines Städtchen mit einer schönen Kirche und voller Touristen. Doch niemand kommt hierher, weil der Ort so schön ist, sondern weil hier ganz in der Nähe Ruinen der Maya stehen. Ohne diese Attraktion wäre wohl niemand nach Copán Ruinas gekommen, erklärt Bryan, schließlich ist sie ja sogar im Namen der Stadt enthalten.
Wir essen ein spätes Mittagessen und schlendern durch ein paar Souvenirläden, bevor wir uns wieder gegen Nachmittag mit unserer Gruppe treffen, um ein Schokoladen- und Teegeschäft zu besuchen.
Wir entschließen uns, nicht dorthin zu laufen, sondern ein sogenanntes TucTuc zu nehmen, die hier überall herumfahren. Das sind dreirädrige Gefährte, die hier als Taxi dienen. Das Interessante dabei ist, dass Copáns Straßen aus sehr grob gepflasterten Steinstraßen bestehen und die Fahrer der TucTucs sich einen Spaß daraus machen, Wettrennen zu fahren. Auch Verkehrsregeln werden nicht unbedingt beachtet; statt bei dem Stoppschild zu halten wird einfach gehupt, um damit den anderen Verkehrsteilnehmern zu signalisieren, dass man gleich um eine Ecke biegt.
In dem Geschäft Bzw. Café wird uns eine kleine Einführung gegeben, um einen Einblick in den Anbau der Produkte zu bekommen und mehr über die dahinterstehende Organisation und deren Arbeit zu erfahren. Außerdem gibt es überall kleine Kostproben von Schokolade, Tee, Honig und vielem mehr. Maddie und ich teilen uns den leckersten Brownie der Welt mit Vanilleeis.
Danach bin ich sehr, sehr satt und verzichte demnach auf ein Abendessen. Bryan gibt uns im abendlichen Briefing noch ein paar Infos über Honduras, die Kultur und unsere morgigen Pläne. Danach zieht sich jeder langsam zurück auf die Zimmer.
¡Vaya pues! (Typischer Ausdruck in Honduras um sich zu verabschieden)
Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und Sommer liegt in der Luft- der 09. September beginnt wunderschön! Alina und ich können ein bisschen länger schlafen als geplant und gehen dann mit Maddie und Bryan frühstücken, in der Casa de la abuela („Großmutters Haus“). Mein Obstsalat ist nicht sonderlich gut und sehr klein, aber die Pancakes der anderen sind sehr lecker.
Nach dem Frühstück gehen Alina und ich zu einem Hotel in der Nähe, das einen Pool hat, den man nutzen kann, wenn man für einen bestimmten Betrag Essen oder Trinken konsumiert. Dort sind wir ganz allein und genießen die Sonne und das kühle Poolwasser. Gerne würden wir auch die Ruhe genießen, aber daraus wird leider nichts. Da bald in ganz Zentralamerika der Unabhängigkeitstag gefeiert wird, sind überall in der Stadt Umzüge und Blaskapellen, die lautstark proben. Trotzdem ist es ein schöner Tag und zum Mittagessen gibt es Nachos mit Guacamole und Bohnenmus und einen Café con leche. Auf dem Rückweg schießen wir außerdem noch ein paar Bilder von all den hübschen und farbenfrohen Hauswänden und Türen, das gefällt mir hier wirklich sehr gut!
Um 15 Uhr beginnt die City Tour, die alle aus unserer Gruppe gebucht haben. Zuerst sehen wir uns einen nahegelegenen Wasserfall an. Das Besondere an los Tercios ist, dass das Wasser über sehr interessant geformte Steine fließt. Wir klettern an dessen Seite über Gestein und Geröll an den Fuß des Wasserfalls und machen ein paar Bilder. Dort ist es unheimlich heiß und feucht, der Schweiß fließt fast so schnell wie das Wasser im Wasserfall.
Dann fahren wir zur nächsten Station der Tour, dem Haus, das eine Initiative von Frauen beherbergt, die Stoffe ganz traditionell mit Indigo Farbe einfärben und anschließend zu Kleidung verarbeiten. Indigo ist eine Pflanze, aus der man einen Farbstoff gewinnen kann, der tiefblau ist. Das Färben ist ein natürliches Verfahren, das, soweit ich mich erinnern kann, auch nur Baumwollstoff langfristig färbt und früher ein großer Teil der lokalen Wirtschaft war. Heute gibt es den Frauen hier in der Initiative Arbeit und mehr Selbstvertrauen, ganz im Sinne der Campagne, von der ich euch im vorherigen Post erzählt habe. Wir dürfen beim Färbevorgang ein paar Stücke Stoff dabei sein und danach Klamotten anprobieren und kaufen.
Die nächste Etappe der City Tour führt uns in ein kleines Geschäft, in dem in einer Ecke eine sehr alte Frau an einem Tischchen sitzt und Zigarren rollt. Doña Laura wurde in genau diesem alten Haus, in dem wir sitzen, geboren und rollt Zigarren, seit sie sieben Jahre alt ist. Heute ist sie 73 und immer noch verdient sie damit ihr täglich Brot. Ihr Leben lang hat sie nichts anderes gemacht. Sie ist eine der drei letzten Frauen, die in Suchitoto heute noch Zigarren rollen und damit Geld verdienen. Vor ein paar Jahrzehnten war das ein üblicher Beruf für Frauen, heute machen das Maschinen. Doña Laura zeigt uns, wie es geht und anschließend darf sogar jeder von uns selbst einenZigarre selbst rollen und sie behalten. Obwohl mein Exemplar ein wenig schief aussieht, macht es viel Spaß. Doña Laura ist wirklich eine inspirierende und strahlende Persönlichkeit, dauernd macht sie Witze, über die man allein deswegen schmunzeln muss, weil sie dabei so unheimlich schelmisch lacht. Sie erzählt uns viel von ihrem Leben und wirkt dabei sehr glücklich, natürlich spricht sie aber kein Englisch.
Diese etwas andere City Tour hat mir wirklich gut gefallen, wir haben definitiv einen Eindruck von Suchitoto gewonnen, den man als normaler Tourist allein vielleicht nicht bekommen hätte. Und ich glaube der Preis war nur $25. Wir haben die Tour aber nicht über G-Adventures gebucht, sondern über einen anderen Anbieter, der sich Suchitoto Adventure Outfitters nennt. Also auch für Leute, die individuell reisen und vielleicht nur so etwas als Tagestrip machen möchten, ist das vielleicht interessant.
Abends gehen wir in einem Restaurant essen und da ein Mitglied unserer Gruppe heute Geburtstag hat, feiern wir danach noch mit Kuchen und einer Piñata.
Es ist Sonntag, der 08. September und für unsere Gruppe geht es heute zum nächsten Ort auf unserer Reiseroute. Alle schweren Backpacks werden auf den Bus geladen, doch bevor wir nach Suchitoto fahren, machen wir noch einen Halt im nahegelegenen Nationalpark Cerro Verde. Dort haben wir einen Spanisch sprachigen Guide (der Campleiter dolmetscht), der uns über die Entstehung des Nationalparks und dessen Bedeutung für El Salvador aufklärt. Außerdem zeigt er uns viele Pflanzen und Bäume und erklärt deren Eigenschaften. Theoretisch kann man von dem Pfad aus, auf dem wir den Park durchqueren, auch die Vulkane sehen, nur leider ist es an diesem Tag so wolkig und nebelig, dass wir nur weißes Nichts zu sehen bekommen.
Leider ist das Bild ein wenig unscharf, aber trotzdem wollte ich es mit euch teilen. Dort steht übersetzt: „In diesem Wald gibt es kein W-LAN, aber hier wirst du eine viel bessere Verbindung spüren“. Im Park waren viele solcher Schilder mit verschiedenen Sätzen, aber immer ähnlichen Aussagen zu sehen. Mir gefiel das sehr; der Gedanke oder Antrieb, sich mehr auf die Natur zu besinnen und sie vor allem wertzuschätzen und zu beschützen!
Insgesamt liefen wir nur ca eine Stunde auf dem Pfad, danach ging es zurück in unseren Bus und endlich ans nächste Ziel: Suchitoto!
Suchitoto ist eine kleine Stadt in den Bergen El Salvadors 50km nordöstlich von San Salvador. Die Stadt ist malerisch und verschlafen, mit vielen bunten Häusern und holprigen Steinstraßen. Es ist außerdem sehr heiß und sonnig bei unserer Ankunft, sodass wir erst einmal eine kleine Mittagspause machen, bevor Bryan uns ein wenig herumführt. Auf dem Weg zum See Suchitlán laufen wir nicht sehr intakte Straßen entlang und bekommen einen Eindruck davon, wie (nicht so wohlhabende) Einheimische hier wirklich leben: in ärmeren Häusern, mit vielen Tieren und Kindern und zwischen ihnen viel Müll. Trotzdem wirken alle Menschen, auf die wir treffen, sehr fröhlich. Zudem gibt es hier eine Campagne gegen häusliche Gewalt und für mehr eigenständige und geschäftstüchtige Frauen. Viele Häuser zeigen das Bild und den Spruch dieser Campagne auf ihren bunten Fassaden. Der Vogel auf der Abbildung ist übrigens der Torogoz, der Nationalvogel von El Salvador.
Übersetzt: „In diesem Haus wollen wir ein Leben frei von Gewalt gegen Frauen.“
Am See angekommen genießen wir ein wenig den schönen Ausblick und die entspannte Atmosphäre. Der Suchitlán See ist übrigens menschengemacht, produziert aber einen Großteil von El Salvadors Elektrizität. Schwimmen kann, bzw. sollte man darin nicht unbedingt, da er nicht sehr sauber ist, aber man kann Bootstouren buchen. Wir belassen es jedoch dabei, am Ufer zu sitzen und ein paar Bilder zu machen. Was ich aber witzig finde: die Einheimischen nutzen eine lange Seilbahn, oder Zipline, um sich selbst und Produkte oder Materialien von einer kleinen Insel über den See aufs Festland zu bringen und andersherum. Wenn ihr auf dem untersten der folgenden Bilder ganz genau hinschaut erkennt ihr, links der Insel in der Mitte des Bildes, oberhalb der Baumkronen des dahinterstehenden Festlands, vielleicht die Seilbahn, sie ist aber wirklich nur ganz schwach zu erkennen.
Zurück zum Hotel fahren wir mit dem Bus, den auch andere Einheimische nehmen, um von der Arbeit zurück in die Stadt zu kommen. Alles ist sehr holprig und eng zusammen gepresst. Übrigens heißt unser Hotel Posada Altavista, ist sehr nah am Zentrum und hat sogar heiße Duschen! Obwohl man die gar nicht bräuchte, da es hier wirklich sehr warm ist.
Sobald es dunkel ist, treibt uns der Hunger zu einem sehr hübschen Restaurant ganz in der Nähe. Ich trinke einen herrlichen Fruchtshake mit Maracuja. Die Fruchtshakes und -säfte gibt es in ganz Zentralamerika in jedem Restaurant für nicht all zu viel Geld und schmecken einfach traumhaft! Ich esse Spaghetti mit Weißwein-Pilze Soße und genehmige mir einen Cuba Libre, schließlich muss man auch mal den lokalen Rum probieren! (War sehr lecker!)
Nach dem Essen ist unsere Gruppe sehr müde (der Großteil hat gestern für seinen Teil den Rum am Lagerfeuer probiert und demnach viel getrunken und wenig geschlafen), sodass fast alle kaputt ins Bett fallen. Alina, Bryan und ich setzen uns aber noch mit einem Bier auf die Dachterrasse des Hotels, genießen die Lichter des Städtchens und unterhalten uns gut.
Dieser wunderschöne Ausblick erwartetet uns am Morgen des 07. Septembers. Nach einer leider sehr kalten Dusche und einem schnellen Frühstück besteigt unsere ganze Gruppe gemeinsam den Vulkan Santa Ana, oder, auf indigener Sprache, Ilamatepec. (Das ist aber nicht der Vulkan, den man oben auf dem Bild sehen kann.) Zuerst mache ich mir ein wenig Sorgen, dass ich konditionsmäßig nicht mitkomme, aber diese Sorgen sind unbegründet. Es ist zwar schon anstrengend, aber sehr machbar. Ich hätte nicht gedacht, dass mir Wandern so viel Spaß machen würde! (Ich wandere nicht sehr oft, muss man dazu sagen.) Unsere Gruppe ist aber auch sehr gut drauf und entschlossen, schnell oben anzukommen. Auf dem Weg dorthin sind wir immer wieder beeindruckt von der wunderschönen Aussicht, die sich uns bietet. Nach gut zwei Stunden sind dann doch alle froh, endlich den Krater zu erreichen. Im Kater sieht man ganz unten sehr hellblaues Wasser, was sehr hübsch, aber auch surreal aussieht, und ziemlich toxisch riecht.
Die Aussicht auf die Gegend und die umliegenden Vulkane ist atemberaubend schön, wir sind wirklich sehr weit oben. Der Aufstieg hat sich richtig gelohnt. Von hier aus kann man sogar das Meer am Horizont sehen, so schmal ist El Salvador! Schaut auf dem unteren der folgenden Bilder mal genau auf den Hintergrund, da könnt ihr als blasse Linie den Beginn des Meeres sehen.
Der Abstieg geht deutlich schneller als der Aufstieg, ist dafür aber auch anstrengender für erschöpfte Oberschenkel, Knie und umknickende Fußgelenke. Unten angekommen, warten am Zaun schon massenhaft Touristen darauf, auch eingelassen zu werden. Unser Guide hat veranlasst, dass wir als Gruppe allein den Vulkan besteigen dürfen, ohne dass andere Touristen zeitgleich dort sind. Dafür mussten wir recht früh aufstehen und sicherlich auch ein bisschen mehr bezahlen, aber wenn ich mir die Besuchermassen anschaue, bin ich sehr froh, dass wir den Vulkan für uns hatten. Außerdem hatte das etwas ganz Persönliches, fast schon Magisches, allein mit meiner Gruppe dort oben zu sein.
Übrigens haben wir für den Aufstieg $45 bezahlt, inklusive Eintritt, Guide, etc.
Nach einer kleinen Stärkung in der Form leckerer Panini packt jeder seine Badesachen zusammen, denn wir fahren an den See ganz in der Nähe. Tatsächlich gehen wir nicht an einen öffentlichen Badestrand, sondern durch ein Privathaus hindurch in einen Garten, der wohl einem guten Freund des Zeltplatzleiters gehört. Der Garten ist wirklich wunderschön, sehr gepflegt und stufenartig angelegt hat er Zugang zum malerischen See. Wir legen uns ins Gras in die Sonne, müssen jedoch schnell in den Schatten umziehen, da es tatsächlich unerträglich warm wird. (Obwohl es abends auf dem Zeltplatz immer ziemlich kalt ist!) Natürlich kühlen wir uns auch im See ab, das Wasser ist herrlich angenehm, nur der Boden ist sehr schleimig und voller Schlick.
Bryan und John aus unserer Gruppe packen ihre (spärlichen) Deutschkenntnisse aus und bringen Alina und mich damit zum Lachen. Musik spielt, die Hunde des Besitzers balgen im grünen Gras- die Atmosphäre ist einfach schön.
Zurück im Camp erwartet uns schon das Abendessen: landestypische Pupusas, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Pupusas sind Tortilla- oder Maisfladen, deren Teig schon vor dem Braten bzw Backen mit Bohnen, Käse und Fleisch gefüllt wird – das ganze ist also mit eingebacken. Die Pupusas isst man mit Tomatensoße, einer Art Krautsalat und viel Salz. Generell isst man hier sehr salzig; Bryan, der ja quasi einheimisch ist, fragt immer noch extra nach mehr Salz. Die Pupusas schmecken mir aber tatsächlich sehr gut!
Nach diesem köstlichen Abendessen sitzen wir wieder alle zusammen am Lagerfeuer und lassen diesen wunderschönen Tag gemütlich ausklingen.
Wie geplant geht es für uns am Morgen des 06. Septembers auf zum Flughafen, um nach El Salvador zu fliegen. Dieser Flug ist in unserer Reise inklusive, Alina und ich hatten uns dazu entschieden, Nicaragua erst einmal außen vor zu lassen, da dort die politische Lage zu dem Zeitpunkt unserer Buchung sehr unklar war und noch Unruhen herrschten. Trotzdem werde ich irgendwann unbedingt dort hin müssen, Bryan hat viel von der Schönheit Nicaraguas geschwärmt.
Am Flughafen und auch im Flugzeug läuft alles glatt, der Flug ist mit nur 45 Minuten Flugzeit fast lächerlich kurz. Als wir aus dem Flughafen in El Salvador kommen, ist es dort unheimlich warm und sonnig, sodass wir ganz schön schwitzen, als wir unsere Backpacks zu unserem kleinen Privatbus schleppen.
Damit geht es nochmal ca. 2,5 Stunden nach Cerro Verde. Das ist eigentlich der Name eines Vulkans, ca 70 km nordwestlich von San Salvador, doch dort gibt es auch einen Zeltplatz. Dort werden wir, von drei Vulkanen umringt, mitten in der Natur campen. Auf dem Weg können wir uns nochmal bei einem Supermarkt mit ein paar Snacks, Getränken oder sonstigen Bedürftigkeiten eindecken, da wir in Cerro Verde nichts einkaufen können. Tatsächlich ist in El Salvador vieles billiger. Leider können wir das nicht wirklich ausnutzen, da beim Campen sowieso alle Mahlzeiten inklusive sind. Das Campen kann sowieso eher als Glamping (Glamour Camping) bezeichnet werden, da in den Zelten zwei richtige Betten stehen.
Und so kommen wir (leider im Dunklen) auf dem Zeltplatz an und beziehen erstmal unsere Zelte. Dann gibt es Nudeln und eine kleine Einführung.
Danach setzen wir uns alle ums Lagerfeuer, rösten Marshmallows und erzählen Geschichten. Leider hat niemand eine Gitarre dabei, aber wir unterhalten uns gut und die Stimmung ist trotzdem sehr entspannt und gemütlich. Die Leiter des Camps haben ihre Söhne dabei, die beide ca 10 Jahre alt sind und ziemlich gutes Englisch sprechen, sie gesellen sich zu uns. Nach dem langen Tag und einem Mojito sind wir ziemlich müde und ziehen uns bald auch schon in die Zelte zurück.
Es gibt viele Krabbeltierchen, wie Spinnen und Käfer, was mich ein wenig stört – ich bin, was das angeht, ein ziemliches Mädchen. Aber als ich mein Bett noch mit meinem Moskitonetz behänge, fühle ich mich wohler. Zum Glück haben die Betten dicke Decken, da es hier ziemlich kalt ist nachts. So kuscheln wir uns in die Betten und schlafen tief und fest, denn morgen werde ich einen Vulkan hochwandern!