Mittwoch, 12. Februar
Da es in Granada sehr heiß ist, ist an Ausschlafen leider nicht zu denken- aber immerhin wollen wir ja auch die Stadt erkunden, also ist das gar nicht so schlimm. Diego und ich frühstücken im Hostel Pancakes und treffen dabei auf einen deutschen Studenten, der ebenfalls durch Mittelamerika reist. Mit ihm unterhalten wir uns und er empfiehlt uns ein paar Touren, die wir unbedingt machen sollen.
Nach einer erfrischenden Dusche erkunden Diego und ich zunächst die Stadt auf eigene Faust. Unser Hostel liegt direkt neben der alten Kirche la Merced, die 1534 erbaut und deren Fassade von Piraten beschädigt wurde. Man kann für $1 auf den Glockenturm steigen und dort eine atemberaubende Aussicht auf ganz Granada und, vor allem, die wunderschöne Kathedrale genießen.



Dann schlendern wir weiter Richtung Innenstadt, über den Parque Central und in die Kathedrale. Auch von innen gefällt sie mir sehr gut, besonders die Deckengemälde mag ich, auch wenn sie teilweise unvollständig sind.


Links der Kathedrale biegen wir in die Straße la calzada, in der wir gestern zu Abend gegessen haben, denn wenn man diese bis zum Ende durchgeht, kommt man zum Lago Cocibolca (auch: El gran lago de Nicaragua), dem größten See Nicaraguas und sogar ganz Zentralamerikas. Die Promenade dort ist sehr schön hergerichtet und es macht Spaß, am Ufer entlang zu schlendern.


Auf dem Rückweg hat man erneut einen tollen Blick auf die Kathedrale. Außerdem sehen wir, neben den vielen kolonialen Häusern, auch viele Einheimische, die auf ihren Wagen, vor die Pferde oder Esel gespannt sind, alle möglichen Materialien oder Lebensmittel transportieren.

Bevor wir uns auf die Suche nach einem leckeren Mittagessen machen, machen wir noch einen kleinen Abstecher auf die Calle Atravesada, die Straße, die Granada von Norden bis Süden einmal durchkreuzt und auf der man zum Markt, dem Mercado Municipal, kommt. Zunächst ähnelt er dem Markt in San José, doch Diego und ich wagen uns immer tiefer ins Innere. Bald schon sind wir die einzigen Touristen, man starrt uns an. Die Stände sehen selbst zusammengebastelt aus und man findet wirklich alles- über Kleidung, CDs, Früchte, Fahrräder, Fisch und Fleisch, das sicher schon Stunden in der unnachgiebigen Sonne liegt- wirklich alles. Je mehr wir in die Mitte des Marktes gehen, desto dunkler wird es, da wir uns nun in einer Art hatte befinden. Der Boden ist nass und dreckig, die Luft stickig und stinkig. Plötzlich rutsche ich mit dem Fuß in ein Loch, das ich zu spät bemerke und das nur notdürftig mit ein paar Metallstreben abgedeckt ist. Ich falle fast in die Melonen des Standes vor mir und erschrecke mich ganz schön, doch bis auf ein leicht aufgeschlagenes Schienbein passiert mir nichts. Solche Löcher, die aus dem Nichts auftauchen, bin ich schon aus Costa Rica gewöhnt. Diego und ich müssen ganz schön herumirren, um den Ausgang wieder zu finden. Wir kommen auf einer anderen Straße hinaus, als wir hinein gekommen sind und auch hier ist das wirkliche, ungeschmückte Nicaragua gut zu sehen. Kleine Kinder spielen im Dreck, Männer schleppen Säcke mit Reis, es fahren kaum Autos. Auch wenn meine Beschreibung das vielleicht nicht suggeriert, bin ich absolut begeistert und beeindruckt von dem Markt. Genau so habe ich mir einen Markt in Nicaragua vorgestellt und solch eine Erfahrung ist mir viel lieber als das herausgeputzte Granada, das Touristen zwischen den Sehenswürdigkeiten erleben.
Um mein Bein zu entlasten, unseren Hunger zu stillen und uns im Schatten ausruhen zu können, essen wir in dem Lokal La Frontera leckere Burger- sehr empfehlenswert. Was mir außerdem sehr gut gefällt an Granada ist der Innenhof, der in fast jedem Gebäude zu finden ist. In La Frontera ist er gefüllt mit Pflanzen. Zudem lassen viele Bewohner der Stadt ihre Türen zur Straße hin einfach offen, setzen sich an die geöffnete Türe, quatschen mit Freunden oder beobachten das rege Treiben auf den Straßen.

Ein wenig erinnert mich Granda an die ebenfalls koloniale Stadt Antigua in Guatemala, nur erscheint mir Granada teilweise schöner herausgeputzt- die Straßen sind zum Beispiel breiter und geteert- und weniger touristisch, was wohl leider noch eine Folge der politischen Unruhen im Jahr 2018 ist.
Weil ich an diesem Tag so viel erlebt habe und der Blogpost dementsprechend sehr lang würde, wird der zweite Teil dieses Tages im nächsten Post erst zu lesen sein.
¡Hasta mañana!
Theresa
Deine Begeisterung für Granada liest sich schön aus dem Bericht heraus! Bin schon gespannt auf den nächsten Teil.
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