27% der Landesfläche Costa Ricas stehen unter Naturschutz. Fast 100% des Stroms werden aus regenerativen Quellen gewonnen. Ökoturismus wird stark gefördert. Oft bekommt man statt Plastikstrohalmen solche, die biologisch abbaubar sein sollen. Einmal pro Woche darf man mit seinem Privatfahrzeug nicht ins Zentrum San Josés fahren.
Das hört sich toll an, vor allem, wenn man grade bequem auf der Couch in Deutschland sitzt, nachdem man seinen Langstreckenflug gebucht hat und versucht, sein Gewissen zumindest ein bisschen zu beruhigen.
Das hört sich toll an, aber leider spürt man davon im alltäglichen Leben hier nicht viel. Und Costa Rica ist mit dieser umweltbewussten, oder sagen wir umweltbewussteren, Einstellung auch leider sehr allein in Lateinamerika.
Beim Einkaufen an der Kasse stehen die Einpacker schon bereit, um meine Einkäufe eifrig in Plastikbeutel zu packen (Ja, das ist wirklich ein Beruf), nur, wenn ich aktiv protestiere, kann ich meine Lebensmittel in mitgebrachten Stoffbeuteln verstauen.
Als ich in einer großen Cafékette mal fragte, ob sie mir den Kaffee in meinen Kaffeebecher aus Bambus füllen könnten, bekam ich als Antwort, dass ich mir das aus dem Einwegbecher dann selbst abfüllen könne.
Lateinamerika hat ein Plastikproblem. Immerhin fängt Costa Rica zumindest damit an, das Problem langsam zu lösen. Doch heute soll es nicht um die Länder an sich gehen, sondern darum, was wir als Reisende tun können, sowohl vor der Reise, als auch währenddessen, um den Müll auf Reisen zu reduzieren und vielleicht vor Ort ein wenig mehr Umweltbewusstsein zu schaffen. Immerhin trägt das Bereisen der Welt nicht unbedingt zum Aufhalten des Klimawandels bei.
Vorneweg möchte ich anmerken, dass auch ich sicherlich kein Engel bin- ganz im Gegenteil, ich bin wohl auch ein sehr schlechtes Beispiel. Allein der Flug nach Mittelamerika war schon schlimm genug für die Umwelt und auch im Alltag mache ich genug Fehler und produziere viel zu viel CO2. Und dafür gibt es keine Entschuldigung. Trotzdem versuche ich zumindest, auf die Umwelt zu achten und mit kleinen Umstellungen meinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, auch, oder vor allem, von Costa Rica aus.
Vor der Reise
Natürlich wäre die beste Option, gar nicht erst in die Ferne zu reisen und lieber den Schwarzwald mit dem Fahrrad zu erkunden, aber seien wir ehrlich- who am I to judge? Trotzdem sollte man im Kopf behalten, dass sich eine Fernreise nur wirklich lohnt, wenn man dafür auch genug Zeit einplant. Ich würde nicht empfehlen, nur für eine Woche nach Costa Rica zu fliegen. Allein der Aufwand, die Reisekosten, die Umweltbelastung und der Kampf mit dem Jetlag lohnen sich dann gar nicht. Abgesehen davon möchte man natürlich genug Zeit mitbringen, das wunderschöne Land ausführlich zu erkunden und mich zu besuchen!
Bevor man die Heimat verlässt, sollten natürlich alle Heizungen, Lichter, etc. ausgeschaltet sein- verlasst euer Zuhause einfach umweltfreundlich, egal, wie lange ihr verreist.
Je mehr Gewicht ein Flugzeug trägt, desto mehr Schadstoffe stößt es im Prinzip auch aus, also versucht vielleicht, von vornherein, platzsparend zu packen. Ich als Mädchen, das fast ein Jahr unterwegs ist, hat da gut Reden, aber ich habe mich tatsächlich zurückgehalten. Und nur weil der Koffer theoretisch 20kg wiegen darf, heißt das nicht, dass er es unbedingt muss!
Auf der Reise
“Sin pajilla, por favor!” –Ohne Strohhalm, bitte! Meiner Meinung nach ist das der einfachste Weg, Plastikmüll zu vermeiden: einfach auf wirklich unnötige Einwegprodukte verzichten. Jeder Backpacker hat mittlerweile eigentlich eine wiederverwendbare Wasserflasche, die man in den meisten Hostels auch kostenlos (mit gefiltertem Trinkwasser) wieder auffüllen kann. Wenn man unterwegs gerne einen Kaffee to go trinkt, kann man einen Kaffeebecher aus Bambus oder Metall mitnehmen und wenn man die dickflüssigen Batidos doch lieber mit Strohhalm trinkt, gibt es auch dafür umweltfreundliche, wiederverwendbare Alternativen. Auf Plastikbeutel kann man sowieso leicht verzichten, wenn man immer einen Jutebeutel bei sich trägt.

Auch weiterhin lässt sich die Benutzung von Plastik leicht vermeiden, vor allem bei Toilettenartikeln. Ich zum Beispiel benutze schon lange nur noch feste Shampoo- und Seifenstücke, Zahnbürsten aus Holz, Zahnputztabletten oder Zahnputzpulver und Creme-Deo. Das alles ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern spart auch sehr oft Gewicht im Gepäck.

Natürlich gilt: je länger man sich an einem Ort aufhält, desto besser, weil die Abgase, die beim Transport entstehen, wegfallen. Das kommt auf Reisen, vor allem beim Backpacken, aber eher nicht in Frage, da man das Land ausführlicher kennenlernen will. Trotzdem sollte man darauf achten, wenn möglich, statt eines halbstündigen Fluges lieber eine dreistündige Busfahrt zu buchen. Natürlich dauert das ein wenig länger, aber vor allem hier in Lateinamerika ist Busfahren unheimlich günstig und nicht selten sieht man auf der Fahrt wunderschöne Landschaften an sich vorbeiziehen.
Ist man unterwegs, vor allem in Nationalparks, sollte man natürlich auch auf Flora und Fauna achten und sich an grundsätzliche Regeln halten. Dazu gehört zum Beispiel, nichts unerlaubt anzufassen oder zu betreten, Lärm zu reduzieren, Wasser sparsam zu gebrauchen etc. Vielleicht interessiert sich der ein oder andere sogar für ein Umweltprojekt im Urlaubsland. Das ist mittlerweile nicht nur üblich, sondern macht sich auch gut im Lebenslauf und ist meiner Meinung nach eine super Erfahrung!
Außerdem empfiehlt es sich, regional typische Gerichte zu essen, da diese meistens mit lokalen Produkten zubereitet werden. Der große Vorteil dabei ist natürlich, dass man dabei sogar die Kultur näher kennenlernt und zumeist seinen Geldbeutel ein wenig schont.
Zuletzt finde ich, dass das Thema Umweltschutz auf Reisen nicht totgeschwiegen werden sollte. Natürlich fühlt man sich als Reisender schuldig, hat ein schlechtes Gewissen und grade deswegen sprechen viele einfach nicht über die Umwelt. Zusammen kann mich aber gut über Tipps austauschen und einfach ein bisschen mehr Bewusstsein schaffen!
Vielleicht fandet ihr ja den ein oder anderen Tipp ganz nützlich und wer noch mehr parat hat, darf sie gerne in den Kommentaren hinterlassen!
¡Hasta pronto!
Theresa
Wie wahr, wie wahr. Nur sollte man sich nicht selbst jeden Spaß verderben. Ich glaube, es bringt mehr, sich zu engagieren, dass wirklich große, global relevante Umweltprobleme auf politischer Ebene gelöst werden als wenn jeder einzelne nie mehr reist oder das letzte Fitzelchen Plastik vermeidet. Dennoch ist es wichtig, dieses Bewusstsein zu fördern und eine gute Balance zwischen Umweltschutz und persönlicher Entfaltung zu finden.
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Das stimmt! Allerdings muss ich sagen, dass es mir auch wirklich Spaß macht, auf die Umwelt zu achten und diese kleinen Änderungen vorzunehmen!
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