Hallo meine Lieben.
Heute möchte ich euch ein Update geben, wie es mir momentan geht und was in letzter Zeit so los war bei mir. Ich hatte ziemlich viel um die Ohren und leider ist der Wahnsinn immer noch nicht vorbei. Aber fangen wir einfach mal von vorne an.
In der letzten Zeit hatte ich recht viele Probleme mit meiner Gastfamilie, angefangen vor ein paar Wochen. Zunächst waren es, meiner Meinung nach, keine großen Sachen, doch es häufte sich. Wir haben uns eigentlich immer aussprechen können, doch vor einer Woche begann die Situation zu eskalieren. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, doch plötzlich fingen die Kinder an, nicht mehr mit mir spielen oder reden zu wollen, ein paar Male schlugen sie mich und schienen aus einem unerfindlichen Grund sehr böse auf mich zu sein. Natürlich sind Kinder manchmal dein Freund und manchmal dein Feind, das ist ja normal- aber nur bis zu einem gewissen Grad. Ich fühlte mich wirklich nicht mehr wohl und dazu kam, dass die Kinder keinerlei Respekt vor mir hatten, nie auf das hörten, was ich ihnen gesagt hatte und sehr unerzogen waren. Sie leisteten sich Sachen, die ich mich nie getraut hätte als Kind.
Leider bekam ich da auch keine Unterstützung von den Eltern, im Gegenteil: ich hatte das Gefühl, sie erwarteten von mir Perfektion in der Arbeit mit ihren Kindern. Ich bekam das Gefühl, mehr als Arbeitskraft angesehen zu werden und immer weniger als Familienmitglied, wie es ja eigentlich sein soll mit einem AuPair.
Letzten Montag, am 2. Dezember, hatte ich morgens ein Gespräch mit meiner Gastmutter, in dem wir die Probleme ansprachen, die wir in letzter Zeit gehabt hatten. Leider war sie nicht bereit, mir entgegen zu kommen und auf meine Wünsche einzugehen, gab mir aber zu verstehen, ich könne gern weiter bei der Familie arbeiten, wenn ich mich an ihre Regeln und Anweisungen halte. Ich gab offen zu, ich müsste darüber nachdenken, da ich mir einfach nicht sicher war, ob ich mit ihren Werten und Vorstellungen weiter gerne arbeiten und leben könnte. Daraufhin ging alles sehr schnell.
Mir wurde klar, dass ich eigentlich nicht einfach hinnehmen konnte, was vorgefallen war. Ich hatte ein Treffen mit meiner AuPair Organisation, erzählte ihnen, was vorgefallen war und sie bemühten sich, mir zu helfen und Lösungen zu suchen. Sie riefen meine Gastmutter an und erkundigten sich, wie es ihr mit mir als AuPair ergangen war, ohne zu erwähnen, dass ich meine Seite schon geschildert hatte. Meine Gastmutter gab die Dinge aus ihrer Sicht wieder, war aber sehr wütend am Telefon und sagte, sie wolle, dass ich ab diesem Tag an nicht länger mit den Kindern arbeite. Die Frau von meiner Organisation wies sie darauf hin, dass sie mir das selbst sagen müsste und es so schnell nicht gehen könnte, aber diesbezüglich zeigte meine Gastmutter keinerlei einsehen und legte auf. Ich war sehr verwirrt, aber die Organisation und ich einigten uns darauf, dass es wahrscheinlich das beste wäre, wenn ich aufhöre, zu arbeiten, wie es meine Gastmutter gewünscht hatte, denn schließlich wollte ich auch nicht mehr wirklich bei ihnen bleiben.
Seit einer Woche also schlafe ich zwar noch bei meiner alten Gastfamilie, aber ich arbeite dort nicht mehr und wirklich willkommen bin ich auch nicht. Sie benehmen sich mir gegenüber sehr seltsam, ich darf eigentlich nicht mehr ins große Haus (mein Zimmer liegt außerhalb des Haupthauses), ich darf nicht mehr wirklich bei ihnen essen und die Kinder darf ich auch nicht mehr sehen.
Was jetzt kommt?
Meine Organisation hat nach neuen Gastfamilien für mich gesucht, die ich mir anschauen kann, um zu entscheiden, ob ich es nochmal mit dem AuPair-sein versuchen möchte. Ich war die letzte Woche sehr frustriert, weil ich mir nicht sicher war, ob ich wirklich nochmal in eine neue Familie möchte. Gestern habe ich mir also eine neue Familie angeschaut, bestehend aus Oma, Mutter und Tochter, die acht Jahre alt ist. Sie waren sehr nett und bestimmt hätte ich mit ihnen eine bessere Erfahrung haben können, aber ich habe mich gestern dazu entschieden, kein AuPair mehr zu sein. Ich finde es zwar sehr schade, aber letztendlich habe ich aus meinem Bauchgefühl heraus entschieden. Ich schätze, ich habe ein wenig Angst, dass sich das ganze wiederholen könnte oder ich nicht wirklich glücklich werde in einer neuen Familie. Wenn ich ein bisschen mehr Zeit hätte, würde ich vielleicht nochmal als AuPair arbeiten, vielleicht auch in einem anderen Land, aber momentan möchte ich etwas anderes versuchen.
Also, wenn nicht AuPair, was dann?
Was ich weiß ist, dass ich noch nicht nach Hause nach Deutschland möchte. Denn auch wenn ich keine gute Erfahrung mit dieser Familie gemacht habe, habe ich hier in den drei Monaten, in denen ich jetzt hier bin, sehr gute Freunde gefunden und fühle mich, auch wenn San José bekanntlich nicht die attraktivste Stadt ist, sehr wohl. Meine Deutschen AuPair Freunde, meine Tico Freunde, Costa Rica mit all seinen schönen Landschaften und Eigenschaften, all das ist schon ein Stück weit zu einem Zuhause geworden, das ich noch nicht verlassen will.
Dazu kommt, dass ich gestern ein Angebot bekommen habe von einem Hostel, für das ich mich schon vor ein paar Wochen interessiert hatte. Es gibt eine Website, die sich Workaway nennt, über die im Prinzip jeder, aber vor allem Hostels und Projekte nach (ausländischen) freiwilligen Helfern suchen können. Das Prinzip ist so, dass die Freiwilligen dort arbeiten, doch statt bezahlt zu werden, können sie kostenlos dort wohnen und bekommen meist noch ein bis zwei Mahlzeiten täglich umsonst.
Gestern bekam ich also ein Angebot vom Turtle Saving Hostel in San José, da momentan ein Einzelzimmer verfügbar wäre, in das ich einziehen könnte. (Oft bekommt man sonst nämlich nur Unterkunft in Schlafsälen.) Nur vorneweg, ich habe das Angebot angenommen. Ich werde also ab nächster Woche für sechs Wochen dort arbeiten, vier bis fünf Stunden pro Tag, fünf Tage die Woche. Meine Aufgaben sind so etwas wie beim Frühstück für die Gäste vorbereiten helfen, Laken wechseln, Ordnung halten, und auch mal Klo putzen – was eben in einem Hostel so anfällt. Dafür bekomme ich ein Einzelzimmer, kostenloses Frühstück und Sevices wie Wäsche waschen etc.
Außerdem ist dieses Hostel ein ganz besonderes, da es (wie der Name vielleicht schon verrät) ein Projekt zum Schutz von Schildkröten unterstützt. Wenn man als Workawayer für mindestens sechs Wochen in diesem Hostel aushilft, verdient man sich dadurch quasi zusätzlich eine kostenlose Woche in diesem Freiwilligenprojekt dazu. Dort kann man hier in Costa Rica mithelfen, Schildkröten zu retten. Im Projekt ist dann alles inklusive: Transport, Essen, Unterkunft, Training etc. Würde man einfach so in diesem Projekt arbeiten wollen, würde man dafür mit den eben genannten Kosten ca $350 bezahlen, doch wenn man davor mind. sechs Wochen im Hostel arbeitet, ist das alles kostenlos.
Ich sehe das momentan eher als Chance an, denn immerhin stehen mir jetzt alle Optionen offen. Ich bin mir sicher, dass ich durch das Hostel neue, schöne Erfahrungen sammeln kann und mir gefällt der Gedanke, einfach mal wieder etwas Neues zu probieren. Was nach den sechs Wochen kommt, weiß ich noch nicht, aber ich werde euch auf dem Laufenden halten. Bis diesen Freitag muss ich bei meiner alten Familie ausgezogen sein und dann werde ich nächste Woche Mittwoch ins Hostel ziehen.
Ich hoffe, ihr konntet meinen Gedanken folgen und dieser Post ist nicht zu undurchsichtig geworden.
¡Hasta pronto!
Theresa
Gute Entscheidung!
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Ja das Leben in einer Familie gelingt nicht immer, auch ich bin schon mal Rausgeschmissen worden. Aber das mit dem Hostel klingt doch gut und mit dem Schildkrötenprojekt noch viel besser! Viel Spaß
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Vielen Dank!
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